Original by Anna of the North
Recorded in August 2026
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:Mit Lovers hast du dir dieses Mal einen Song von Anna of the North ausgesucht. Wenn man sich deine bisherigen Coverversionen anschaut, ist das zunächst einmal keine völlig offensichtliche Wahl. Wie bist du auf diesen Song gestoßen?
Tong:
Es gibt bei mir ja unterschiedliche Wege, auf Songs zu stoßen. Zum einen entwickle ich für einen Song Ideen über Jahre hinweg, jedoch ohne jemals die Zündung zu verspüren, sie tatsächlich zu realisieren. Und manchmal fallen mir bislang unbekannte Songs in den Schoß, bei denen eine Idee schon nach kurzem Anhören oder Anspielen bereits völlig ausgereift ist. „Lovers“ ist so eine Schoßlandung gewesen und ebenso Anna of the North, die ich für unglaublich talentiert halte.
:Eine „Schoßlandung“ also. Das klingt fast so, als hättest du bei Lovers gar nicht lange nach einer eigenen Interpretation suchen müssen, sondern als wäre sie praktisch zusammen mit dem Song bei dir angekommen.
Tong:
Genau! Immer wenn ich Musik höre, also immer, ist eine Art Agent für mich aktiv, der einen Song nach der „Nachspielbarkeit“ bewertet, sobald er mir gefällt. Ich spiele ihn auf der Gitarre oder am Piano an und merke schnell, ob er sich gut weiter verfolgen lässt oder eben nicht. Wir hatten dieses Thema bereits – wenn es dann zündet, dauert es nicht lange bis zum ersten Arrangement der Instrumente. Und dieser Vorgang kann sich je nach Song um einige Tage oder mehrere Jahre erstrecken.
:Bei Lovers scheint der Weg vom ersten Anspielen bis zu einer konkreten Idee aber ziemlich kurz gewesen zu sein.
Tong:
Ja, eigentlich hat sich alles innerhalb von zwei Monaten ergeben. Vom ersten Hören bis zu dieser Veröffentlichung. Die Originalversion, oder der Radio-Edit, wenn man so möchte, geht in Richtung Elektro-Pop. Diese Version habe ich zuerst gehört, da sie als Zufallsvorschlag meiner Playlist hinzugefügt wurde. Das Intro hat mich irgendwie gefesselt, so dass ich den Songtitel erneut gesucht habe. Und hier schließt sich der Kreis: ich habe die Version „Lovers (Home Made)“ gefunden. Es hat in der zweiten Strophe gezündet.
:Das ist interessant: Nicht die Elektro-Pop-Produktion selbst hat also letztlich den Ausschlag gegeben, sondern ausgerechnet die Home Made-Version desselben Songs?
Tong:
Ich mag diese ruhige Stimmung der Home-Made-Version. Sie wird etwas kantiger, sobald das Schlagzeug in der zweiten Strophe einsetzt, aber gemischt mit der zarten Stimme – damit hat sie mich direkt gekriegt. Wenn ich eine Zündung bei mir im Allgemeinen beschreiben müsste, würde ich sagen, dass sich vielleicht in einem kurzen Moment ein Kanal öffnet, der die emotionale Verbindung schafft. Erst zu diesem zündenden Part, dann zum gesamten Song. Dann greife ich zur Gitarre und spiele eben diesen Part irgendwie nach. Die nächsten Schritte ergeben sich wie von selbst. Natürlich gibt es auch immer wieder Songs, bei denen ich mich an genau diesem Punkt doch gegen die Aufnahme entscheide.
:Das klingt, als wäre diese erste emotionale Verbindung zwar die Voraussetzung, aber noch lange keine Garantie dafür, dass am Ende tatsächlich eine Aufnahme entsteht. Irgendwo zwischen diesem ersten Nachspielen und dem fertigen Arrangement muss ein Song also noch eine weitere Hürde nehmen. Was muss ein Song an diesem Punkt mitbringen, damit du dranbleibst – und woran scheitern die anderen?
Tong:
An diesem Punkt kann diese Verbindung entweder verstärkt werden, oder ich merke, dass mir die anderen Parts nicht so liegen und ich keine Alternative dazu finde. Der Song als Ganzes würde dann seine Wirkung verlieren. Die Zündung erlischt dann einfach wieder. So genau lässt es sich nicht beschreiben, das Meiste passiert aus dem Bauch heraus. Wenn mich der Song aber an dieser Stelle „catcht“, dann trägt er mich einfach nur noch durch das gesamte Projekt. Und dieses Gefühl ist unbezahlbar.
:Dieses Gefühl scheint bei Lovers jedenfalls gehalten zu haben. Und irgendwann wird aus dem Herumprobieren mit der Gitarre dann etwas, das tatsächlich nach einer eigenen Version klingt.
Tong:
Ganz interessant ist hier, in welche Richtung sich dann meine Coverversion entwickelt. Ändere ich gegenüber dem Original viel am instrumentalen Arrangement und an der Auswahl der Instrumente selbst oder orientiere ich mich daran, wie der Künstler den Song selbst konzipiert hat? Tatsächlich laufe ich bei „Lovers“ eng neben der Home-Made-Version mit. Beide Richtungen funktionieren gut und ich möchte mich hier keinesfalls festlegen.
:Das heißt, die Eigenständigkeit einer Coverversion misst sich für dich gar nicht unbedingt daran, wie weit du dich vom Original entfernst. Bei „Lovers“ hast du offenbar eher entschieden, dass die Home-Made-Version schon sehr nah an dem liegt, was du selbst mit dem Song machen möchtest.
Tong:
Ganz genau. Und irgendwie ist dieser mögliche Effekt auch interessant: Würde man nur die Elektropop-Version kennen, könnte man meinen, dass die Home-Made-Version von mir arrangiert worden ist (lacht). So ähnlich hatten wir das schon bei Wouldn’t It Be Good.
:Stimmt, bei Wouldn’t It Be Good hatten wir einen ähnlichen Fall. Vielleicht ist es am Ende auch gar nicht entscheidend, wie viel man objektiv an einem Song verändert. Spannender ist, ob sich eine Version nach einem selbst anhört.
Tong:
Und genau hier liegt ja das Besondere beim Covern: Bringe deinen eigenen Stil in deine Version, selbst wenn du dich nah am Original hältst. Man könnte das paradox finden, ist es aber eigentlich gar nicht. Und das macht beide Richtungen absolut legitim, wenn man es so ambivalent betrachten möchte.
:Vielleicht ist genau diese Ambivalenz sogar ein Teil deiner Handschrift: Du musst einen Song nicht zwangsläufig umbauen, um ihn dir zu eigen zu machen.
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