Original by Ray LaMontagne

Recorded in October 2026




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Tong:
Das war 2012, als ich in Los Angeles auf einer Konferenz war. Ich war jede Nacht hellwach und saß dann oft in der Hotellounge, um die Atmosphäre auf mich wirken zu lassen. In einer Nacht lief dieser Song von LaMontagne auf der Hotelanlage. Ich bin unendlich dankbar, dass ich den Song in der weiten Ferne, im wunderschönen Kalifornien kennenlernen durfte. Diese direkte Verbindung ist seitdem immer da und ich bekomme immer noch Gänsehaut, Tränen in den Augen und einen Kloß im Hals, wenn ich den Song selber zu Hause spiele.

Perspective Magazine:
Ich finde sogar, dass das Original diesen typischen, authentischen American-Folk-Charakter hat.

Tong:
Ganz genau, schon in Richtung Country-Folk. Ich mag diese Seite von Amerika.

Perspective Magazine:
Deine Coverversion bewegt sich auch in eine typisch amerikanische Blues/Folk-Richtung, finde ich. Ich kann mir zumindest gut vorstellen, wie deine Coverversion im Hintergrund einer typischen amerikanischen Bar läuft.

Tong:
Mit viel Zigarettenqualm, Billardtischen in der Mitte und immer dieses typische Knistern in der Luft, wenn gleich eine Schlägerei losbricht (lacht laut).

Perspective Magazine:
Dort würde deine Coverversion gut hinpassen (lacht).

Tong:
Aber du hast Recht, der Sound meines Covers hat auch etwas an sich, was man ganz fest dem American Guitar-Bluesrock zuschreiben könnte. Ich denke, das machen die Akkordprogressionen des Songs ganz von selbst. Ich habe mich während des gesamten Projekts wie ein Cowboy gefühlt (lacht).

Perspective Magazine:
Mit Lederstiefeln und Hut mitten in der staubigen, hitzigen Steppe. Dein Sound trifft das absolut! Hast du überlegt, im Video ein paar Elemente aus dieser Richtung zu bringen? Ein Cowboyhut zum Beispiel.

Tong:
Nein, das hätte ich dann eher zu abgedroschen gefunden. Ich möchte das Publikum in gewissen Punkten nicht in eine vorgegebene Richtung lenken. Im Video ist der Take aus dem Wohnzimmer übrigens aus der Anfangsphase des Projekts, wo ich mich das erste Mal auf das Tempo festgelegt hatte. Danach habe ich einen vollen Durchgang gespielt und mich dabei einfach gefilmt, ohne weiter darüber nachzudenken. Dieses Material war eigentlich nie für das Video vorgesehen, sondern nur für eine erste Abschätzung der Gesamtdauer. Das erklärt, warum mein Gesichtsausdruck in dem Clip eher „ziellos“ ist, wenn man es so sagen möchte (lacht).

Perspective Magazine:
Was sagst du zu der Message des Songs?

Tong:
LaMontagne singt ja vom Ausbruch aus dem einfachen, kleinstädtischen Leben. Sein Leitsatz in diesem Lied, also die Aussage von Beg Steal Or Borrow, entspricht weniger dem wörtlichen „Bettle, stehle oder borge“, sondern ist vielmehr eine Redewendung im Sinne von „Tu, was nötig ist. Finde irgendwie einen Weg.“. Ein sehr starkes Fundament, das diese Schwere des Songs rechtfertigt, finde ich. Aber der Song hat auch einen großen Anteil von Leichtigkeit, das darf man nicht übersehen.

Perspective Magazine:
Wo siehst oder empfindest du denn Leichtigkeit bei diesem Song?

Tong:
Ganz besonders in der Melodie der Strophe finde ich. Diese relativ großen Tonsprünge in der Gesangsmelodie bewirken es irgendwie.

Perspective Magazine:
Wenn wir uns diese Zeile anhören: … Are you drowning in the small talk and the chatter…, meinst du die beiden Töne bei chatter…?

Tong:
Ja zum Beispiel. Das sind acht Halbtonschritte. Aber ja, mehr als diese technische Beschreibung steht uns irgendwie nicht zur Verfügung, um es besser auszudrücken. Es ist echt interessant: wir ordnen einem technischen Vorgang eine Emotion, oder ein Gefühl zu und denken, dass die Beschreibung dadurch vollständig ist. Wie wir aber zu diesem Resultat kommen, ist nicht von Belang.

Perspective Magazine:
Du meinst, dass wir die technische Beschreibung, wie diese acht Halbtonschritte, auf der einen Seite haben und die Wirkung, das Ergebnis, auf der anderen. Also die Tatsache, dass man in dieser Passage Leichtigkeit verspürt.

Tong:
Genau. Und wir denken, dass es dadurch vollständig erklärt ist. Aber warum genau diese Tonabfolgen diese Wirkung erzielen, die ja zudem auch noch subjektiv ist, und warum wiederum andere Tonabfolgen andere Eigenschaften hervorrufen, kann ich mir bis heute nicht erklären.

Perspective Magazine:
Und bist du irgendwie unzufrieden, wenn man dir die Wirkung eines Songs nur anhand der technischen Anwendung und der resultierenden Emotion beschreibt?

Tong:
Nein, nicht unzufrieden. Nur neugierig. Ich glaube, dass sich nämlich in diesem „abgedunkelten Schritt“ der größte persönliche Anteil abspielt. Also nicht nur: was genau bewirkt die Musik in dir, sondern warum hat die Musik genau diese Wirkung auf dich? Möglicherweise steckt darin der Schlüssel, um Songs zu schreiben, die immer zu Lieblingssongs werden.

Perspective Magazine:
Die dritte Strophe hat einen ungewöhnlichen Spannungsaufbau, das kann man in deiner Instrumentalversion ganz gut raushören.

Tong:
Ja, richtig (lacht). Auch das Original hat einen Spannungsaufbau in der dritten Strophe, nur eben viel dezenter. Und ja, natürlich musste ich das aufschnappen und habe es in meiner Version vielleicht auch etwas übertrieben (lacht).

Perspective Magazine:
Aber nicht unverständlicherweise. Du kommst ja aus einem sehr ruhigen Gitarrenpart nach der Bridge und musst ja den Bogen wieder hochbringen, da der Schluss ja schon näher rückt.

Tong:
Richtig. Es war toll, die Dynamik innerhalb einer einzigen Strophe von null auf Hundert zu bringen (lacht).





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