Original by The Neighbourhood
Recorded in May 2026

:Du schaust aber böse (lacht).
Tong:
Das sagen alle (lacht laut). Es ist überhaupt nicht meine Absicht, böse zu schauen, aber mittlerweile glaube ich selbst, dass ich das wahre Böse in mir trage (lacht). 
:Das habe ich auch etwas provokativ formuliert. Ehrlich, ich bin völlig bei dir, denn wie könnte man sonst ernst oder intensiv schauen? Wie drückt man Entschlossenheit sonst aus?
Tong:
Richtig. So wie ich es wahrnehme, setzen Models auf irgendwelchen Zeitschriftencovers doch ständig diesen Blick auf. Und da denke ich nicht, dass sie damit ihre gesamte innere Bosheit nach außen tragen möchten. Oder umgekehrt: ich fände es noch viel weniger passend zum Song, wenn ich ständig lächeln und lieb schauen würde. 
:Was ist das für eine Umgebung, in der du sitzt?
Tong:
Das ist mein Schlafzimmer (lacht laut). Ich habe meine Bettdecken um mich herum drapiert, um den Schall zu dämpfen. Und ja, ich stehe zum Singen nicht, weil ich die Vorrichtung für die Bettdecken nicht höher stellen kann (lacht). In dieser Videosequenz singe ich übrigens die Spur ein, die auf der fertigen Aufnahme zu hören ist. 
:Der Sound deines Covers ist irgendwie neu, kann das sein?
Tong:
Ja! Ich freue mich sehr, dass ich endlich auf ein modernes Equipment umgestiegen bin, nachdem ich mittlerweile 20 Jahre lang mit einem uralten System gearbeitet habe. Die Dinosaurier haben schon damit produziert. 
:Und warum erst jetzt? Ich meine, es hat im Laufe der letzten 20 Jahre oder meinetwegen 67 Millionen Jahre einige Musiksysteme gegeben, mit denen du sicher auch hättest arbeiten können.
Tong:
Das alte System ist noch völlig intakt und es war nie notwendig, auf etwas anderes zu wechseln. Damals hatte ich damit einen Weg gefunden, Musik endlich so zu produzieren, wovon ich als junger Musiker nicht mal zu träumen wagte. Dieser für mich revolutionäre Schritt damals scheint mich bis heute irgendwie beflügelt zu haben, so dass ich alle zusammenhängenden Mäkel in Kauf genommen habe. Mir wurde in letzter Zeit immer klarer, dass irgendwann der Tag kommt, an dem das System versagt und darauf wollte ich einfach nicht warten. Das neue System ist entsprechend überwältigend, eben weil ich nur den Vergleich mit einem 20 Jahre alten Equipment habe. 
:Gibt es auch einen Zusammenhang mit den aktuellen Technologie-Entwicklungen?
Tong:
Deine Frage ist mehr als berechtigt, aber nein. Es ist, als hätte man mir eine neue Werkstatt und besseres Material hingestellt. Genau, so kann man es sich vorstellen. Alles ist hochwertiger, einfacher und intuitiver. Die Wege kürzer. Und dennoch versichere ich dir, dass die Planung, das Schmieden und Schleifen der Einzelteile und der abschließende Zusammenbau mit dem Feinschliff immer noch hundertprozentig aus eigener Kraft kommt und handgemacht ist. Das lasse ich mir nicht nehmen (lacht). 
:Und wie gesagt, es klingt auch ganz anders.
Tong:
Ja, wobei ich mich noch daran gewöhnen muss. Man kann hier sehr chirurgisch arbeiten, was mich unheimlich fasziniert. Aber dafür klingt das Resultat auch teilweise entsprechend steril, finde ich. 
:Dein Gitarrensolo lässt sich stilistisch irgendwie nicht wirklich fest einordnen (lacht). Und man hört, wie du wieder deine Methode anwendest, die du in Dance Hall Days beschrieben hast. Du lässt das Gitarrensolo ein paar Schläge früher einsetzen und nicht erst auf Schlag eins des offiziellen Einsatztakts.
Tong:
Oh, sehr aufmerksam. Ganz genau. Ich lasse das Solo bewusst einen Takt früher starten. Ich spiele mit der Gitarre ganz bewusst ein Fill-In – das haben die Drums im Laufe der Musikgeschichte irgendwie für sich beansprucht, finde ich. Aber lass doch einfach jedes beliebige Instrument den eigenen Einsatz ankündigen. 
:Und was ist das für eine Spielweise?
Tong:
Beim Gitarrensolo? Es ist eine Tapping-Technik: Ich schlage die Saite leer an, greife „tippend“ dann auf derselben Saite einen Ton, so dass dadurch ein zweiter Ton entsteht. Anschließend zupfe ich mit dem selben greifenden Finger erneut die Saite, um den dritten Ton zu erzeugen. Du hast richtig gehört, tatsächlich zupft der Finger, der normalerweise die Saite am Griffbrett greift (lacht). Und wenn man das perkussiv wiederholt und mit einem Echo-Effekt unterlegt, entsteht dieser Sound. Ich habe absichtlich durchweg auf dem selben Bund hoch und runter getappt. Das klingt zwar etwas stumpfsinnig, hat dem Solo aber nochmal einen ganz speziellen Charakter verliehen, finde ich. 
:Warum hast du dich gegen ein klassisches Gitarrensolo entschieden?
Tong:
Ein Gitarrensolo war in diesem Projekt eigentlich nie vorgesehen (lacht). Das Tappen habe ich zufällig erst nach Beendigung der Bass- und Schlagzeugspur entdeckt, als ich gerade am Gitarrenpart herumgebastelt hatte. Nun ja, ich habe direkt die allererste fertige Variante zum offiziellen Solo-Riff ernannt (lacht laut). Übrigens ist in dieser Aufnahme der allererste Take zu hören, den ich einfach direkt verwendet habe (lacht). Das mache ich normalerweise nie.  
:Das klingt, als hättest du Zeitdruck gehabt.
Tong:
Lustigerweise gar nicht. Hier wusste ich irgendwie, dass die Authentizität des Solos direkt ab dem zweiten Take und mit jedem neuen immer mehr schwindet. Ich bin so froh, dass der erste Versuch direkt so geklappt hat (lacht). Im Nachhinein finde ich es irgendwie verrückt, mitten in dieser hochprofessionellen Umgebung einfach diese volle Breitseite Spontaneität an den Tag zu legen. Vermutlich eben um der Sterilität entgegenzuwirken und diesen Human Factor irgendwie noch zu halten.
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